Mittwoch, 14. Januar 2015

Argentinien - Geld wechseln auf der Strasse

Nachdem ich einiges schlechtes über das Geldwechseln auf der Strasse zu dem viel interessanteren BlueDollar Kurs gelesen hatte, beschloss ich es heute mal auszuprobieren.

Neben dem, dass man dem Geldwechsler in eine dunkle Gasse oder windiges Büro folgen soll, was seine eigene Problematik mitbringt, finden sich im Internet auch Berichte darüber, dass den Touristen letzten Endes Falschgeld ausgegeben wurde. 

Argentinien bluedolar dollar -  das wechseln auf der Strasse zum inoffiziellen Wechselkurs
Original (oben) vs Falschgeld (unten)
So ganz legal ist das Wechseln auf der Strasse wahrscheinlich auch nicht.

Bei einem Wechselkurs, der ungefähr 40% überhalb des offiziellen Wechselkurses liegt, lohnt es sich aber ja vielleicht trotzdem, das ganze genauer zu prüfen... No risk - no fun heisst es doch so schön.

Nein, so ganz blauäugig bin ich nicht und habe mich natürlich etwas im Internet informiert, hoffte eine Blüte dh Falschgeld auch erkennen zu können.

Mit meinen Dollars bewaffnet machte ich mich heute also auf Tour und gehe auf die ganzen windigen Geldwechsler erstmal nicht ein, die permanent den Touristen "cambio" zurufen. Schliesslich hatte ich es weder eilig, noch war ich mir schlüssig wie viel Geld ich denn wechseln soll.

Für mein Hotel in Buenos Aires werden 581.99 USD fällig für 8 Nächte. Das wären alleine schon 4829 Pesos, also wäre das wechseln von 1000 USD ja gar nicht so schlecht. Nicht dass ich sie loswerden muss, aber soviel wie in Argentinien bekomme ich nie wieder für meine Dollars.

Offizieller Wechselkurs: 1`000 USD = 8`594 Peso
Strassen Wechselkurs:    1`000 USD = 13`580 Peso laut http://www.dolarblue.net

Als mich ein weißhaariger seriös aussehender Mann "cambio" zurief, fragte ich nach dem Wechselkurs. 

Natürlich kam erstmal die leidige Frage "wieviel willst Du wechseln"?. Er konnte kein englisch, ich kein spanisch - aber mit unseren Handy`s konnten wir uns problemlos verständigen. Soviel zum Thema das iPhone NIE auf der Strasse zeigen. Wir einigten uns auf 13`400 Pesos, nachdem er mir erst 12`200 angeboten hatte.

Ich fragte ob er das Geld dabei hätte und er deutete an dass ich ihm folgen soll. Alles hat einen Haken dachte ich mir und folgte dem alten Herrn und wappnete mich innerlich auf Handgreiflichkeiten und Fersengeld.

Aber es ging nicht in eine dunkle Gasse und wir blieben unter Menschen. Nach 100m landeten wir bei einem Kiosk wo ich übergeben wurde. Nun hatte ich es mit einem Kerl in den 20ern zu tun, aber nicht in meiner Grössen und Gewichtskategorie, also blieb ich entspannt und wiederholte meine Absicht 1000 USD wechseln zu wollen. 

Nun ging es in ein kleines Büro, das auch ein Gerät hatte um die Scheine zu zählen. Natürlich nun gleich mit 4 Mann vor der Tür, die aber einen recht friedfertigen Eindruck auf mich machten. 134 Scheine a 100 Pesos mussten abgezählt werden, ich liess mir das nachzählen von Hand aber nicht nehmen.

Das Geldwechseln in Argentinien - auf der Strasse zum inoffiziellen Strassenkurs


Blüten bzw Falschgeld fand ich keine, habe Stichprobenartig einzelne Scheine genauer geprüft. Aber ein 100 Schein war zu wenig im Bündel und dazwischen waren zwei 50er versteckt. Ohne Probleme wurden die fehlenden Scheine übergeben.

Nun kam meine Show, mein Dollarbündel aus der Tasche nehmen und 10 Scheine abzählen. Der Zählautomat zählte erst 9 Scheine, im zweiten Anlauf dann 10 - nachzählen kann also nicht schaden.

Mit einem dicken Bündel in der Tasche ging es ins Hotel - um meinen Aufenthalt in Cash zu entrichten. Hier wurde mein Geld klaglos angenommen.

Ich würde sagen ein sensationeller Deal - 40% mehr Geld für etwas Nervenkitzel  ;-) 

Fazit:

Der verlinkte Blogartikel zum Thema Falschgeld ist aus dem Jahr 2011. Anscheinend hat sich da die Situation entschärft, ich sehe nur selten Leute in den Geschäften die Rückgeld-Geldscheine überprüfen. Trotzdem lohnt es sich, die Scheine von Hand abzuzählen und dabei zu ertasten ob sie sich normal anfühlen.

Die bisher bekannten Blüten verfügten über eine identische Seriennummer und waren daran erkennbar, dass das Papier sich merkbar anders anfühlt.

Wenn ihr auf diese weise Geld wechselt, achtet darauf wo ihr das macht und mit wem. Mitten unter Menschen in einem Geschäftsviertel ist sicherlich besser, als in einer eher zwielichtigen Ecke von Buenos Aires, jemandem in einen dunklen Hausflur zu folgen.

Viel entspannter ist sicherlich, im Restaurant oder Geschäft nachzufragen, was es denn in Dollar kosten würde, so konnte ich in Ushuaia ja auch schon einige Schnäppchen machen. Aber das klappt nicht immer und auch der Kurs ist nicht immer so sensationell..

Kommentare:

  1. Hallo nach Argentinien,

    spannende Story. Nachdem ich mit Anfang 20 einmal recht blauäugig war, und von einem Geldwechler in Paris um 1.000 Franc betrogen wurde, habe ich das private Wechseln eigentlich fast immer vermieden.

    Damals standen wir in einer Wechselstube auf der Champs Elysee, fast am Triumphbogen, und warteten in der Schlange um Geld zu wechseln. Der Mann vor uns dreht sich um - Anzug, distinguiertes Aussehen und sprach gut deutsch. Er wolle ja Franc in DM wechseln und ob man nicht - sei ja viel einfacher - gegenseitig wechseln wolle - er würde uns auch einen besseren Kurs geben.

    Klar - also habe wir die Bank verlassen. Er zückt zwei 500 Franc Scheine und einen Haufen Hunderter und drückt mir das in die Hand. Ich bin etwas verwirrt ob der vielen Scheine und er bietet mir freundlich an, mir das vorzuzählen. Also geb ich ihm die Scheine wieder und er zählt die beiden 500hunderter, faltet sie zur Hälfte weg und zählt die Hunderter oben drauf.
    Irgendwann sagt er Ähhh und blickt kurz zum Himmel - wir schauen natürlich auch von den Scheinen weg.
    Dann geht alles ganz schnell, der gezählte Betrag stimmt, er drückt mir das Geld in die Hand, sagt: "Diskret, disktret", dirigiert meine Hand zu meiner Jackentasche "schnell einstecken, diskret, diskret".

    Naja der dumme 20 jährige Bub in der großen (fast) fremden Stadt hat es genauso gemacht - man hat sich veranbschiedet und er ist weg.

    Ich zieh das Geld aus der Tasche - ein Haufen hundert Franc Scheine - nur die beiden 500 Franc Scheine, die fehlen - irgendwie.

    Die hat er in einem grandiosen Taschenspieler Trick verschwinden lassen - nur blöderweise nicht hinter mein Ohr sondern in seine eigene Tasche.

    Wir standen damals am Anfang eines letztlich 9 Monate dauernden Paris Aufenthaltes, hatten gerade ein kleine Wohnung gefunden, aber noch kein Konto eröffnet. Das war fast unser gesamtes Geld für den kommenden Monat.

    Zum Glück hatten wir verständnisvolle (wahrscheinlich zuhause kopfschüttelnde) Eltern, die Ihre Kinder in der Fremde nicht hungernd wissen wollten - sonst wäre er Monat wohl sehr "diätetisch" ausgefallen.

    Fazit - ein Betrüger sieht meist nicht aus wie ein Betrüger. Geld IMMER selbst nochmal nachzählen und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. So wie Du das oben beschrieben hast. Was sonst so zu beachten ist, hast Du auch eindrücklich beschrieben.

    Ach ja - üblicherweise standen damals vor den Wechselstuben in Paris Wachmänner - auch vor dieser - nur just in dem Moment nicht - komisch.

    Viel Spaß noch auf Deiner Reise - wir verfolgen Dich ;-) Deine Berichte lesen sich toll!
    Michael von unterwegshoch4x4

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    1. Das war ja ein holpriger Einstieg ins Reiseleben Paris :-)

      Vielen Dank fürs Mitreisen, dass motiviert ungemein zum dranbleiben - mit der Schreiberei. Das tägliche Schreiben ist ja gar nicht so ohne - aber noch bin ich zuversichtlich es durch zu halten :-)

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