Mittwoch, 11. März 2015

Schutzengel in den Anden


Heute sollte es nach Santiago gehen, um den fälligen Ölwechsel durchzuführen. Dank die FA Nestle konnte ich zumindest schon einmal die Meldung resetten (Ölwechsel fällig). Econ*Lock, ein zusätzliches Steuerungsgerät für die Automatik funktioniert nur, wenn kein Error und keine Meldung anliegt.

Das Steuerungsgerät von Olut (aus dem Buschtaxi Forum) erlaubt es, die Gänge trotz Automatik mit gewissen Einschränkungen manuell zu bedienen. So kann ich Diesel-Gerecht von einer niedrigen Drehzahl aus beschleunigen, ohne dass die Automatik beginnt in den Gängen zu wühlen.

Aber erstmal frühstückte ich ausgiebig. Da ich keine Ahnung hatte wie gross der Fluss war, da ich nur einen kleinen Teil überblicken konnte, entschied ich mich dazu das Gebiet mit dem Quadcopter und dem Live-VideoFeed auf der Videobrille näher zu erforschen.

Ein toller Flug und ich teste auch die „Coming Home“ Funktion wenn man die Fernbedienung abschaltet – sowie das Abfangen der Funktion, so dass ich dann selber landen konnte. So langsam wird es. Der Fluss ist wohl nur zu anderen Jahreszeiten ansehlich, aktuell zeigte mir der Drohnenflug eher ein Rinnsal...



Anschliessend fuhr durch das bekannte Weinanbau Gebiet chiles und zielstrebig zu der grössten Toyota Niederlassung des Landes. Die Empfangsdame an der Reception resignierte an meinem Englisch und so fuhr ich frech in die grosse Werkstatthalle. Auch hier konnte niemand Englisch – aber als ich den Ersatz-Ölfilter zeigte war der Fall klar.

Es würde eine Stunde gehen – ob sonst noch etwas gemacht werden müsste. Ich verneinte und wehrte Reinigung und anderes ab. Ich wurde in eine Lounge geführt die eine tolle Übersicht über alle Reparatur-Plätze bietet und ein leckerer Kaffee wurde serviert. Auch wurde mir erlaubt den Ölwechsel Vor-Ort anzuschauen und Fotos zu machen.

Die Lounge bot desweiteren schnelles Wlan. So nutzte ich Skype mit der Heimat und kam nicht mal zum Updaten des Blogs, weil mein Fahrzeug schnell in eine der Boxen gefahren wurde.

Würde einem chilenischen Reisenden mit einem Land Cruiser – in der Schweiz auch so speditiv geholfen? Ich vermute nein, der würde einen Termin erhalten, wann er denn kommen kann.


130 CHF kostete der Spass umgerechnet, Ölwechsel mit selber mitgebrachtem Filter, zudem wurde der Luftfilter ausgeblasen und einer der LED Spots in der Frontbar wieder befestigt. Ob jetzt noch eine Express-Gebühr enthalten war, kann ich nicht beurteilen. In Angola war die Express-Gebühr 40 USD, wurde uns damals aber nicht berechnet, wenn ich mich richtig erinnere.

Danach ging es in die Stadt, ich brauchte wieder Geld. Nun gut, das ist auch eine Ausrede – denn ich habe keinen Plan wohin es nun gehen soll. Nord-Chile lockt, Mendoza lockt auch.

Santiago gefällt mir sehr gut, schade dass ich hier wohl nicht viel Zeit verbringen werde. In 15 Tagen habe ich mich in La Paz (Peru) verabredet – mal schauen wie ich mich nun entscheide.

Ich finde einen Parkplatz der so etwas von illegal ist, dass ich im nahen Laden nachfrage, ob ich so stehen bleiben kann. Sie redeten auf spanisch auf mich ein – aber bald teilten Sie mir mit Hand und Fuß mit, dass mir mit einem ausländischen Kennzeichen nicht viel passieren kann.

Während der Diskussion fiel mir auf, dass mir der Laden gefällt. Eine Art Kiosk mit einem ansehlichen Alkohol Arsenal. Mein 7Jähriger Havanna Rum ist schon leer – und ich entdecke ihn im Regal. Ich lasse meinen Blick schweifen und entdecke den Diplomatico Rum, den ich durch Markus kennengelernt habe.


Ich frage nach dem Preis – 45 CHF für die Flasche ist sensationell, so dass ich nicht wiederstehen kann. Ich stelle den Einkauf ins Auto und bewaffne mit mich Speicherkarte und Notebook – ein Starbucks ist nah. Java Chip – yummi! Nur das Wlan ist unterirdisch, ich bereue, dass ich die Gelegenheit bei Toyota nicht besser genutzt habe.

Ich entscheide mich dazu, nun Mendoza in Angriff zu nehmen. Nordchile läuft mir nicht weg, aber später von Bolivien nochmals Mendoza anzusteuern wäre etwas übertrieben.

Ich fahre nach Los Andes in die Ausläufe der Anden hinein. Es ist heiss, 35 Grad, sonnig aber mit mässiger Fernsicht, schade wegen der Fotos.

iOverlander wies mich auf einen Truckstop hin, der auch Duschen im Angebot hatte, da konnte ich nicht wiederstehen. Ich verwendete ca. 40 Minuten mit der Suche nach einem Wildcamp Spot, aber es wollte nicht richtig gelingen.

Die Strasse zog sich an einem kleinen Fluss entlang, alle Abfahrten waren aber einsehbar, die Plätze zu nahe an der Strasse um richtig gemütlich zu sein.

Alles was gut aussah war eingezäunt und zugesperrt – ähnlich wie in Argentinien.  Mit der langsam untergehenden Sonne entschied ich mich dazu, einer dieser einsehbaren Spots am Fluss zu wählen.

Um nicht anzuecken zündete ich das Lagerfeuer ganz am Flussufer an. Meine Tätigkeit weckte einiges an Aufmerksamkeit. Aus einem Auto rief man mir auf spanisch etwas zu und so einige Autos fuhren auf dem nahen Feldweg vorbei. Ich winke immer freundlich.

Ich wickelte unbeirrt Maiskolben, Tomaten, Zwiebeln in Alufolie und legte das ganze direkt ins Feuer, dass sorgt für eine schnelle Garzeit ohne anzubrennen, mit dem fleisch kann ich mir danach immer etwas Zeit lassen.

Zwei Frauen rufen etwas vom Weg herunter, während ich am Sammeln von mehr Brennholz bin. Es ist eine Mutter mit ihrer Tochter, die nicht viel Englisch können aber mir klarmachen dass ich in ernsthafter Gefahr bin, wenn ich da stehen bleibe.


Der Fluss würde in der Nacht ansteigen. Ich begutachtete meinen Stellplatz – der sah jetzt nicht danach aus als ob der regelmässig geflutet würde. Zweifelnd schaute ich wieder zu den beiden Frauen.

Sie meinten, es würde noch jemand kommen der besser Englisch spricht. Dann standen wir schon zu dritt da. Auch der Mann meinte, dass es gefährlich sei. Ich deutete an, dass ich nach dem Grillen oben auf dem Weg parkieren werde.

Vergebene Mühe, natürlich luden Sie mich zu sich ein. Grillen könne ich auch bei ihnen. Sie machten mich auch auf ein Wasserkraftwerk aufmerksam, welches man mehr erahnen als sehen konnte. Ging es hier um Wahrscheinlichkeit oder ein tatsächliches Risiko?

Ich willigte mehr ein weil sie sehr sympatisch wirkten und nicht weil ich die Gefahr ernstgenommen habe. Flugs war das Feuer gelöscht, die halbgaren Gemüse in einem Plastiksack. Nur 100m weiter war die Einfahrt zu ihrem Grundstück und bald stand Brummie hinter Gittern.

Eine Mutter und Vater, zwei hübsche Töchter und auch ein ein Grosskind war schon da.

Lieb nahmen sie sich meiner an und sie halfen mir die Grillerei bei sich wieder aufzunehmen. Ich versuchte sie auch zum Essen zu bewegen, schliesslich hatte ich genügend brasilianisches Rindsfilet gebunkert, aber sie wollten nicht.

Aber mit Bier und Wein konnte ich die Gastfreundschaft auch etwas würdigen. Ich zeigte die Finessen von meinem „Camping-Land Cruiser“ während das Fleisch auf dem Grill lag.

Unglaublich wie taktvoll die Leute hier in Südamerika sind. Ob sie mich zum Essen alleine lassen sollen, fragten sie. Ich war noch am Essen als das Bachrauschen rapide anschwoll.

Und tatsächlich, aus dem Bach ist ein reissender Fluss geworden, mein Stellplatz lag nun im Wasser. Das war knapp, würde ich mal sagen. Gemütlich zusammen sitzend ass ich nebenbei weiter während wir uns mit unseren Wörterbüchern bewaffnet ausgetauscht haben.

Der Fluss wurde nochmals lauter und war tatsächlich noch ein weiteres mal kräftig angestiegen. Ich bin mir nicht sicher, ob dies bei einem ruinierten Grillfest und nassen Füssen geblieben wäre, ich befürchte dass wäre eine durchaus kritische Situation geworden – ohne meine Gastgeber. Ich bin mehr als dankbar!

Nach dem Essen bekomme ich noch eine Führung über ihr Grundstück. Sie haben eine Entenzucht, einen Haufen Hühner, zwei Hunde und neben den Stallungen doch mehrere Häuser und viele Schlafzimmer.


Es war nach 0 Uhr als wir uns trennten. Mir wurde ein Appartement mit Bad zur Verfügung gestellt, so dass ich neben einer Toilette morgen auch noch eine heisse Dusche ergattern dürfte.

----- Kurznachricht via Satelliten-Messenger -----

Ölwechsel gemacht, in den Anden unterwegs. Wildcamp am Bach aufgeflogen - viel Glück gehabt. Der Bach ist nun ein Fluss.

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